Dieser Aufwand zahlte sich aus und lieferte interessante Einblicke in die Ökologie des Weissrückenspechts der hiesigen Population. Wie bei anderen Spechten veränderte sich der Aktionsraum im Jahresverlauf. Während der Verpaarungszeit nutzten die Weissrückenspechte ein Gebiet von rund fünfzig Hektaren. In der Brutzeit hielten sich die Spechte meist in der Nähe der Bruthöhle auf und unternahmen für die Nahrungssuche nur vergleichsweise kurze Flüge, was zu einem Aktionsraum von durchschnittlich zwanzig Hektaren führte. Nach dem Ausfliegen der Jungvögel im Juni über den Winter bis zur Verpaarungszeit durchstreiften sie hingegen eine Waldfläche von rund hundert Hektaren, also einem Quadratkilometer.
Doch was ist nun charakteristisch für die vom Weissrückenspecht aufgesuchten Wälder? Die Spechte hielten sich im Jahresverlauf in verschiedenen Waldtypen auf, wie Schutzwälder, Wälder, die länger nicht oder extensiv bewirtschaftetet wurden oder Naturwaldreservaten. In allen Fällen mochten es die Weissrückenspechte totholzreich: Nahrung suchten sie praktisch ausschliesslich in toten Bäumen, liegendem oder Kronentotholz.
Auch beim Brutverhalten lieferte die Studie interessante Resultate: In die mit Holzspänen ausgekleidete Höhle legten die Weissrückenspechte durchschnittlich vier Eier, dies deckt sich mit den Werten aus anderen Populationen. Dagegen lag der Bruterfolg mit durchschnittlich 1,7 ausgeflogenen Jungvögeln tiefer als in den urwaldähnlichen Gebieten Ost- oder Nordeuropas, wo durchschnittlich bis zu drei Junge pro Brut ausfliegen. Könnte dies einen Zusammenhang mit dem Lebensraum haben? Diese Frage können wir nicht abschliessend beantworten.