Beim Balkansteinschmätzer führten Veränderungen in einem einzigen Farbgen zur Entstehung von weissen Gefiederpartien an Kehle und Rücken. Diese genetischen Merkmale hat er an den Maurensteinschmätzer weitergegeben. In beiden Arten ersetzte schliesslich die weisse Rückenfärbung die ursprünglich schwarze. Die Kehlen beider Arten wiederum zeigen heute beide Färbungen, schwarz und weiss. Dieser genetische Austausch schon bestehender Farbvariationen zwischen den Arten, noch dazu auf einem einzigen Gen, ermöglichte eine schnelle Anpassung der nah verwandten Arten. Die Entstehung neuer Variationen allein durch Mutation mit denselben Ergebnissen hätte dagegen Jahrmillionen in Anspruch nehmen können. Die Studie zeigte auch, dass für die langfristige Entstehungsgeschichte der Gefiederfärbung entfernter verwandter Arten mehrfach neuentstandene Erbanlagen verantwortlich waren. Um sich an ihre Umwelt anzupassen, nutzen Arten also jede verfügbare genetische Vielfalt, sowohl innerhalb als auch zwischen Arten.
Oder anders gesagt: Je mehr genetische Vielfalt, umso mehr Variationen sind möglich. Dies ist für alle Lebewesen von entscheidender Bedeutung, etwa wenn es darum geht, sich an die Folgen des rasch voranschreitenden Klimawandels anzupassen. Entsprechend wichtig ist es laut den Forschenden, die Vielfalt innerhalb und zwischen Arten zu schützen.
Lutgen, D. et al. (2025): A mosaic of modular variation at a single gene underpins convergent plumage coloration. Science 390: eado8005. https://doi.org/10.1126/science.ado8005