Noch während der Feldarbeit für die Studie fiel noch etwas anderes auf: Selbst innerhalb einer Brutsaison wechselten einige Männchen nach wenigen Tagen das Revier und wurden oft schnell von anderen Männchen ersetzt. Ohne individuelle Markierung durch Farbringe wäre dieses rege Kommen und Gehen nie festgestellt worden. Wir wären wohl davon ausgegangen, dass immer dasselbe Männchen in einem Revier singt. Mit dieser Erkenntnis stellte sich die Frage, weshalb Männchen so schnell ein Revier wieder verlassen.
Der Grund sind die Weibchen, oder besser gesagt, deren Entscheidungen. Wurde nämlich ein Männchen von keinem Weibchen als Partner ausgewählt, verliess es sein Gesangsrevier nach einigen Tagen bis Wochen. Die Lebensraumqualität hatte auf diese Entscheidung keinen Einfluss, denn sie unterschied sich nicht zwischen Revieren verpaarter und unverpaarter Vögel. Und wanderte ein Weibchen nach der ersten Brut ab, tat es «sein» Männchen ebenfalls – ganz gleich, ob die Brut erfolgreich gewesen war oder nicht.
Für die Förderung des bedrohten Waldlaubsängers bedeutet das Resultat von Shannon Luepolds Arbeit, dass man die Weibchen ebenfalls im Auge behalten muss: Viele Wechsel bei den Revierinhabern oder Schwankungen der Anzahl an Revieren innerhalb der Brutzeit lassen vermuten, dass es zu wenige Weibchen für die Männchen gibt.