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Vogelwarte-Mitarbeiterin Merline Roth beim Kartieren in Basel-Stadt.

News - Hintergrund

Gastfreundschaft für Gebäudebrüter

August 2025

Vogelarten, die an Gebäuden brüten, sind auf unsere Toleranz angewiesen. Inventare mit den dokumentierten Brutstandorten und praxisnahe Informationsmaterialien helfen allen an der Förderung beteiligten Personen und Stellen, die Nistplätze von Segler, Schwalbe und Co. zu erhalten.

Verschiedene Vogelarten brüten in Nischen und Spalten von Gebäuden oder bauen ihre Nester an die Hausfassade. Bei Renovationen werden solche Unterschlupfe jedoch zerstört, und Neubauten bieten kaum mehr Platz für Brutvögel.

Mit Inventaren zur besseren Datengrundlage

Auch in Basel werden aktuell viele ältere Gebäude abgerissen oder saniert. Massnahmen wie die Isolierung von Dächern und Fassaden, die für die Energiewende unerlässlich sind, können für Tiere schwerwiegende Folgen haben. Spezialisierte Arten wie Mauersegler und Mehlschwalbe sind davon besonders betroffen, da sie für die Aufzucht ihrer Jungen Jahr für Jahr zu denselben Nistplätzen zurückkehren.

«Wollen wir die Vögel schützen, müssen wir wissen, wo sich ihre Nester befinden. Nur so können wir bei Bewilligungen entsprechend reagieren», so Martin Huber, Projektleiter der Stadtgärtnerei des Kantons Basel-Stadt. Gemeinsam mit dem Kanton haben Merline Roth von der Vogelwarte und ihr Projektteam die Brutplätze der Segler und Schwalben kartiert. Das resultierende Inventar mit Informationen über die Lage und Grösse der Nistplätze ist unter webgis.vogelwarte.ch öffentlich zugänglich und hilft denjenigen, die vorausschauend Brutplätze erhalten wollen.

Sensibilisierung für gefiederte Untermieter

In zahlreichen Gemeinden fehlen jedoch verlässliche Information über die Brutsituation. Zudem muss heute leider vielerorts wieder für die Akzeptanz von Vögeln als unsere direkten Nachbarn geworben werden. Häufig wird ihnen der Zugang zu Nistplätzen am Gebäude verwehrt. «Neben der Umsetzung konkreter Schutz- und Förderprojekte, möchten wir deshalb die nächsten Jahre nutzen, um die Basler Bevölkerung für die faszinierenden Gebäudebrüter zu sensibilisieren», so Martin Huber.

Weiterführende Informationen

Den Praxisleitfaden «Nistplätze für Segler», Informationen zum Geoportal mit Nistplätzen von Gebäudebrütern, die digitale Entscheidhilfe bei Vogelnestern an Gebäuden und das Merkblatt Gebäudesanierung des BAFU finden Sie hier:

www.vogelwarte.ch/nistplaetze-fuer-segler

Die Sensibilisierung findet aber nicht nur in Basel statt. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat deshalb gemeinsam mit der Schweizerischen Vogelwarte, BirdLife Schweiz sowie dem Schweizerischen Koordinationsstelle für Fledermausschutz ein Merkblatt, zum vogel- und fledermausfreundlichen Sanieren von Gebäuden veröffentlicht. Wer schon begeistert ist von den Seglern und sie mit Nisthilfen fördern möchte, findet im überarbeiteten Praxisleitfaden «Nistplätze für Segler» innovative Lösungen, die sowohl ästhetischen als auch ökologischen Anforderungen gerecht werden.

Diese verschiedenen Instrumente sind eine wichtige Grundlage für den Erhalt und die Förderung von Gebäudebrütern. Wenn wir nun beherzt ins Handeln kommen, können wir uns auch in Zukunft freuen, wenn die Flugkünstler den Himmel über unseren Städten mit Leben füllen und den Sommer ankündigen.

Regina Michel

LEITERIN LEBENSRAUM SIEDLUNG
Regina Michel hat Kommunikations- und Umweltwissenschaften studiert. Nach acht Jahren als Kommunikationsspezialistin Biodiversität beim BAFU leitet sie seit 2023 das Ressort Lebensraum Siedlung an der Schweizerischen Vogelwarte. Gemeinsam mit ihrem Team setzt sie sich für mehr Natur im Siedlungsraum und für den Schutz und die Förderung von Gebäudebrütern ein.

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Mauersegler
Mehlschwalbe