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Klangattrappen als Werkzeug zur Förderung des Wendehalses

August 2025

In einer aktuellen Studie hat die Vogelwarte die Bedeutung von Nahrungsverfügbarkeit und singenden Artgenossen für die Brutplatzwahl des stark gefährdeten Wendehalses untersucht.

Was ist das Ziel?

Der Bestand des Wendehalses ging bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts in West- und Nordeuropa zurück, hauptsächlich aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft. In der Schweiz ist er heute noch recht weit verbreitet, kommt aber in vielen Teilen des Landes nur noch in geringer Dichte oder sporadisch vor. Die Verfügbarkeit von Nahrung – fast ausschliesslich Ameisen und deren Eier, Larven und Puppen – und Nisthöhlen sind bekannte limitierende Faktoren. Die Schutzbemühungen konzentrieren sich daher auf die Bereitstellung von Nistkästen und Lebensraumaufwertungen durch die Schaffung von Standorten mit niedriger Vegetation oder offenen Bodenstellen, um mehr Ameisennester zugänglich zu machen. Die Populationsentwicklung verläuft in Europa regional unterschiedlich, war in der Schweiz aber in den vergangenen Jahren teilweise aufgrund dieser Massnahmen positiv. Allerdings siedeln sich Wendehälse in Gebieten mit tiefer Population selten an, was in hochwertigen Lebensräumen möglicherweise auf das Fehlen sozialer Signale zurückzuführen ist. In diesem Fall könnte das Abspielen von arteigenen Gesängen ein Mittel zur Ansiedlung des Wendehalses in geeigneten Brutgebieten sein.

Unsere Forschung: Methode und Ergebnisse

Wir platzierten Klangattrappen in verschiedenen Gebieten, die vom Wendehals nicht besiedelt waren und entweder eine hohe oder eine niedrige Nahrungsverfügbarkeit aufwiesen. So konnten wir testen, wie wichtig rufende Artgenossen für die Ansiedlung des Wendehalses sind im Vergleich zur verfügbaren Nahrung. Wir stellten fest, dass das Nahrungsangebot zwischen den verschiedenen Lebensräumen erheblich variierte, wobei die höchsten Werte in Rebbergen und die niedrigsten in intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen lagen. Die Ergebnisse zeigen, dass ein hohes Nahrungsangebot sowohl die Wahrscheinlichkeit zur Erkundung als auch zur Ansiedlung an potenziellen Brutplätzen erhöhte. Klangattrappen dagegen erhöhten nur die Wahrscheinlichkeit zur Erkundung, und auch nur bei einem hohen Nahrungsangebot. Auf die Ansiedlungswahrscheinlichkeit und den Bruterfolg hatten Klangattrappen keinen Einfluss.

Wichtigste Erkenntnisse

Wir konnten zeigen, dass Wendehälse durch Tonaufnahmen an geeignete Brutplätze gelockt werden können, sich jedoch nicht dort niederlassen, wenn die Nahrung knapp ist. Genügend Nahrung ist daher ein entscheidender Faktor für die Revierwahl von Wendehälsen und somit für deren Förderung. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Wendehälse zwar die Rufe ihrer Artgenossen als Information für die Begutachtung von Revieren nutzen, bei ihrer endgültigen Entscheidung für einen Standort jedoch hauptsächlich die Eigenschaften des Lebensraums berücksichtigen. Daher ist die Lebensraumqualität und insbesondere die Verfügbarkeit von Nahrung wichtiger und eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Förderung des Wendehalses.
Auf der Grundlage unserer Ergebnisse formulieren wir drei praktische Empfehlungen für den Schutz des Wendehalses:

  1. Bereitstellung von Nistkästen: Um Schutzmassnahmen zu optimieren, empfehlen wir, Wendehals-Nistkästen nur an Standorten mit reichhaltigem Nahrungsangebot aufzuhängen. In unserem Untersuchungsgebiet gilt dies insbesondere für Regionen mit einem hohen Anteil an Rebbergen und extensiv bewirtschafteten Wiesen. Nistkästen werden hauptsächlich von Naturschutzorganisationen auf freiwilliger Basis aufgehängt und betreut. Eine Fokussierung auf solche erfolgversprechenden Gebiete wird dazu beitragen, die Motivation der Freiwilligen zu erhöhen und ihr Engagement zu stärken.
  2. Lebensraummanagement: Um die Lebensraumqualität hinsichtlich der Nahrungsverfügbarkeit zu verbessern, empfehlen wir eine ameisenfreundliche Landnutzung. Dazu gehören etwa eine extensivere Bewirtschaftung und Praktiken zur Reduktion von Nährstoffen, wie die alternierende Begrünung von Rebzeilen, abwechselnde Beweidung oder ein Mahd-Regime, das zu einer mosaikartigen Struktur der Wiesen und Weiden führt.
  3. Einsatz von Klangattrappen: Klangattrappen sind ein kostengünstiges Mittel, um Wendehälse an Standorte mit Schutzmassnahmen zu locken, ohne negative Auswirkungen zu haben. Wir empfehlen daher den selektiven Einsatz für die Artförderung. Dennoch sollten diese stets mit Vorsicht eingesetzt und ihre Auswirkungen überprüft werden.

Im Beitrag erwähnte Vogelarten

Vogelarten
Wendehals
Der wärmeliebende Wendehals mit dem ausgezeichneten Tarngefieder ist in mehrfacher Hinsicht einzigartig: Obschon er zu den Spechten gehört, zimmert er keine eigene Bruthöhle, sondern übernimmt eine Baumhöhle oder einen Nistkasten. Auch dass der Wendehals aufrecht auf Ästen sitzt und gelegentlich ...
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