Dafür brauchte es aber Pioniere und Visionäre, die unermüdlich und trotz vieler Rückschläge beharrlich weitergemacht haben, wie es unser Auszug über die Vogelzugforschung aus der Chronik zur Geschichte der Vogelwarte eindrücklich zeigt. Dabei muss es nicht immer eine grosse technische Neuerung sein. Für mich ist es völlig normal, dass Japannetze für die Vogelberingung benutzt werden. Ich war überrascht, dass sie erst in den 1950er-Jahren «entdeckt» wurden und zu Beginn in der Schweiz auf grosse Skepsis stiessen. Und auch heute noch untersuchen unsere Forscherinnen und Forscher unsere Vogelwelt mit grosser Neugier und verstehen sie immer besser, wie unser langjähriges Rotmilanprojekt beweist.
Was wird in einigen Jahrzehnten selbstverständlich sein, wofür wir uns heute trotz Rückschlägen einsetzen? Möglicherweise sind es grosse, zusammenhängende und störungsfreie Feuchtgebiete, in denen Grosser Brachvogel und Rotschenkel brüten. Oder Kulturlandschaften mit ausreichend hochwertigen Biodiversitätsförderflächen, die von Grauammern und Rebhühnern nur so wimmeln, und wo Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen. Dafür setzen sich insbesondere unsere Mitarbeitenden im Bereich Förderung mit Herzblut ein, sei es mit Artenförderprojekten oder mit wichtigen Grundlagen für mehr Biodiversitätsförderflächen auf Acker. Einen Beitrag für diese Zukunft könnte auch eine Annahme der Biodiversitätsinitiative leisten. In rund einem Monat befindet die Schweizer Stimmbevölkerung darüber. Die Initiative nimmt Anliegen auf, für die sich die Vogelwarte seit Jahrzehnten engagiert. Als Novum unterstützt sie daher das Anliegen.
Eisvogel, Auerhuhn, Feldlerche und alle anderen Vögel können nicht abstimmen – tun wir es für sie.