©
© Marcel Burkhardt
Neuntöter
News - Hintergrund

Avinews August 2024

August 2024

Was heute ist, erscheint uns selbstverständlich. Mittlerweile ist es schon fast normal, dass wir mit Geolokatoren den genauen Zugweg einzelner Vögel verfolgen können. Wo und wie lange sie rasten, wie hoch sie fliegen und zu welcher Tageszeit ist kein Geheimnis mehr. Und mithilfe von Radaren können wir über ganze Kontinente den Vogelzug in seiner Gesamtheit erfassen.

Dafür brauchte es aber Pioniere und Visionäre, die unermüdlich und trotz vieler Rückschläge beharrlich weitergemacht haben, wie es unser Auszug über die Vogelzugforschung aus der Chronik zur Geschichte der Vogelwarte eindrücklich zeigt. Dabei muss es nicht immer eine grosse technische Neuerung sein. Für mich ist es völlig normal, dass Japannetze für die Vogelberingung benutzt werden. Ich war überrascht, dass sie erst in den 1950er-Jahren «entdeckt» wurden und zu Beginn in der Schweiz auf grosse Skepsis stiessen. Und auch heute noch untersuchen unsere Forscherinnen und Forscher unsere Vogelwelt mit grosser Neugier und verstehen sie immer besser, wie unser langjähriges Rotmilanprojekt beweist.

Was wird in einigen Jahrzehnten selbstverständlich sein, wofür wir uns heute trotz Rückschlägen einsetzen? Möglicherweise sind es grosse, zusammenhängende und störungsfreie Feuchtgebiete, in denen Grosser Brachvogel und Rotschenkel brüten. Oder Kulturlandschaften mit ausreichend hochwertigen Biodiversitätsförderflächen, die von Grauammern und Rebhühnern nur so wimmeln, und wo Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand gehen. Dafür setzen sich insbesondere unsere Mitarbeitenden im Bereich Förderung mit Herzblut ein, sei es mit Artenförderprojekten oder mit wichtigen Grundlagen für mehr Biodiversitätsförderflächen auf Acker. Einen Beitrag für diese Zukunft könnte auch eine Annahme der Biodiversitätsinitiative leisten. In rund einem Monat befindet die Schweizer Stimmbevölkerung darüber. Die Initiative nimmt Anliegen auf, für die sich die Vogelwarte seit Jahrzehnten engagiert. Als Novum unterstützt sie daher das Anliegen.

Eisvogel, Auerhuhn, Feldlerche und alle anderen Vögel können nicht abstimmen – tun wir es für sie.

Avinews August 2024

Hintergrund
Die Schweizerische Vogelwarte blickt auf eine bewegte Geschichte in den vergangenen 100 Jahren zurück. Zu ihrem Jubiläum wurde dies in der kurzweiligen Chronik «100 Jahre Schweizerische Vogelwarte Sempach» f...
Hintergrund
Die Vogelwarte engagiert sich seit 100 Jahren für die Erforschung und Förderung der Vogelwelt und der Biodiversität. Sie ist parteipolitisch neutral und verzichtet in der Regel auf Abstimmungsempfehlungen. D...
Hintergrund
Die Bestände vieler typischer Vogelarten des Kulturlands gehen zurück. Studien und Umsetzungsprojekte zeigen, dass die Anzahl der Flächen alleine zur Förderung dieser Arten nicht ausreicht. Ein wichtiger Sch...
Hintergrund
Dank verschiedener Monitoringprogramme kann der Zustand der Biodiversität im Kulturland sowohl lokal als auch auf Landschaftsebene erfasst und mit verschiedenen Faktoren wie etwa der Bewirtschaftungsintensit...
Hintergrund
Seit 2015 untersucht die Schweizerische Vogelwarte, welche Umweltfaktoren zur starken Zunahme des Rotmilanbestands in der Schweiz beigetragen haben könnten. Ein Teil der Erklärung liegt in der Verfügbarkeit ...
Hintergrund
Die Vogelwarte fördert seit Jahren die Kiebitz-Population in der Wauwiler Ebene. Dabei zeigt sich, dass der Schutz der Nester und Küken mit Zäunen einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Population leistet...