Diese Zunahmen sind erfreulich, sind sie doch mehrheitlich darauf zurückzuführen, dass wir die Vögel nicht mehr zu Nahrungskonkurrenten und «Schädlingen» degradieren, ihre Rolle in der Natur erkannt haben und sie folgerichtig nicht mehr massiv bejagen. Die positiven Trends zeigen, was wir Menschen mit einer Veränderung unserer Einstellung und unseres Verhaltens in der Natur bewirken können. Immer öfter aber wird diese zeitgemässe Haltung infrage gestellt. Gerade grössere Vögel werden von verschiedenen Seiten zunehmend als Bedrohung für andere Tiere betrachtet oder als Störung wahrgenommen. Und nicht nur von Populismus geleitete Politikerinnen und Politiker auf Stimmenfang fordern, es brauche eine Regulation, denn es gebe «zu viele», wahlweise Störche, Krähen oder sonst eine Vogelart. Und Medienschaffende fragen bei grösseren Vogelansammlungen schon fast reflexartig: «Sind so viele Vögel ein Problem?»
Auch wenn es mit einigen Vogelarten Konflikte gibt, bei denen es Lösungen braucht, verrät diese Reaktion viel mehr über uns Menschen als ein mögliches Problem: Wir wollen allzeit die Kontrolle haben und notfalls regulierend eingreifen. Wir sollten uns wieder mehr mit der Natur vertraut machen: Kein Bestand wächst einfach unendlich weiter, wenn wir Menschen nicht eingreifen. Wenn Ressourcen wie Nahrung oder Nistplätze knapp werden, steigt auch der Bestand nicht weiter an.
Umso besorgniserregender ist es, wenn nicht einmal mehr versucht wird, die Vögel und ihr Verhalten zu verstehen und eine Koexistenz anzustreben. Das diffuse – und oft falsche – Gefühl einer Bedrohung für andere Tiere oder Störung für den Menschen genügt, um eine Regulation durch Abschüsse zu fordern. Für echte Lösungen braucht es aber Toleranz und das Anerkennen von Fakten. Negative Emotionen sollten wir stark hinterfragen, dann wird auch schnell klar, dass die Flinte beiseitegelegt werden kann.