Nisthilfen
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    Nistkästen für Höhlenbrüter

    Mit Nistkästen können wir jenen Vögeln helfen, die zum Brüten auf Höhlen angewiesen sind. Allerdings sind uns da Grenzen gesetzt. Nistkästen helfen einer Art nur dann, wenn sie auch den passenden Lebensraum und die richtige Nahrung zur Verfügung hat. Leider ist dies gerade bei unseren bedrohtesten Nistkastenbewohnern meist nicht der Fall: Mit dem Aufhängen von Nisthilfen allein sind Steinkauz, Wiedehopf und Wendehals kaum zu retten. Hingegen können wir die Meisen und ein paar andere Arten fördern, vor allem dort, wo das natürliche Höhlenangebot knapp ist. Gut gebaute Nistkästen ermöglichen zudem einen überdurchschnittlichen Bruterfolg.

    Wo können Nisthilfen angebracht werden?

    • in Gärten
    • an Fassaden
    • in Obst- und Parkanlagen
    • in Wäldern

    Wieviele Nisthilfen sind sinnvoll?

    Die Zahl der Nisthilfen richtet sich nach dem Standort und nach den Arten, die man fördern will. Die folgende Zahlen gelten als Richtwerte:

    • Garten: 1 Nisthilfe an jedem zweiten Baum; die nicht mit Nestern belegten Kästen haben als Übernachtungsplätze Bedeutung.
    • Obstgärten und Wald: bis 30 Stück pro 10 Hektaren.

    Welche Standorte sind geeignet?

    Nistkästen sind ein künstlicher Ersatz für natürliche Baumhöhlen. Letztere gibt es in allen Höhen, Grössen und Expositionen. Deshalb kann man auch beim Bau und Aufhängen der Kästen etwas flexibel sein und sich nach den jeweiligen Umständen richten.

    Die Idealhöhe liegt für kleinere Vogelarten zwischen 1,8 und 3 Metern (siehe Tabelle). Wo mit mutwilligen Beschädigungen gerechnet werden muss, hängt man die Kästen besser etwas höher. Drehen Sie die Einfluglöcher von der Wetterseite weg und richten Sie sie möglichst gegen Osten oder Südosten. Nistkästen sollen niemals längere Zeit der prallen Sonne ausgesetzt sein, sondern tagsüber im Schatten oder mindestens im Halbschatten hängen. Die Erwärmung durch die Morgensonne ist dagegen positiv.

    Wie befestigt man Nistkästen?

    Modell 1
    Modell 1

    Am besten hängt man Nistkästen an Aststummel (z.B. mit Drahtbügel oder Plastikkordel), damit man sie zur jährlichen Kontrolle und Reinigung leicht abnehmen kann. Sie können sie gegen den Stamm lehnen oder – an windgeschützten Orten – auch an einem Seitenast frei hängen lassen. Sie werden damit katzensicherer. Verwenden Sie an lebenden Bäumen keine Nägel und keine dünnen Drähte.

    Wann bringt man die Nisthilfen an? Wann werden sie gereinigt?

    Nisthilfen sollen spätestens im Vorfrühling, möglichst jedoch schon im Spätsommer oder Herbst montiert werden. Die Vögel können sich so frühzeitig mit den Nisthilfen vertraut machen. Sie bieten ihnen zudem über den Winter Schutz vor Nässe und Kälte. Die jährliche Reinigung kann zwischen September und Ende Februar erfolgen. Die Kästen werden von Nestern und Kot befreit. Bei starkem Parasitenbefall können Sie den Kasten mit einer brennenden Zeitung ausräuchern oder mit heissem Schmierseifenwasser ausspülen. Wenn Sie das Ausfliegen der Jungen einwandfrei festgestellt haben, dürfen Sie das Nest auch sogleich entfernen. Der Kasten steht dann für eine allfällige Zweitbrut nochmals zur Verfügung.

    Wie baut man Nistkästen?

    Modell 2
    Modell 2

    Für Nistkästen verwendet man üblicherweise 20 mm dickes, ungehobeltes Fichten- oder Tannenholz. Sperrholz oder Pressplatten sind zu wenig witterungsbeständig und deshalb ungeeignet. Wir raten, die Holzteile mit Schrauben zusammenzufügen.

    Die Aussenflächen können mit einem Imprägnierungsmittel gegen Feuchtigkeit, Pilz- und Insektenbefall geschützt werden. Wir raten zu einem biologischen Produkt, z.B. Leinöl.

    Ein schräg gebohrtes, nach innen ansteigendes Einflugloch verhindert, dass Regen eindringt. Eine Sitzstange unter dem Einflugloch ist nicht nötig. Kästen müssen für die Reinigung geöffnet werden können. Die technisch einfachste Lösung ist eine bewegliche Vorderwand (Modell 1) beziehungsweise Rückwand (Modell 2). Zur Lüftung und Entfeuchtung bohren Sie in den Boden mindestens 2 Löcher von ca. 5 mm Durchmesser. Beim Reinigen achten Sie darauf, dass sie nicht verstopft sind. Vor Spechten schützt ein verzinktes Blech rund ums Einflugloch. Die Kanten des Blechs schleifen Sie bitte gut ab. Für den Wendehals, der kein eigenes Nest baut, streut man eine Schicht feiner Holzschnitzel ein.

    Der Gartenrotschwanz schätzt einen gewissen Lichteinfall. Sie können für ihn z.B. zwei versetzte Fluglöcher von 32 mm Durchmesser oder ein 50 mm grosses Flugloch bohren, die Öffnung jedoch durch einen senkrechten, leicht von der Mitte versetzten Draht für Stare unpassierbar machen.

    Welches Modell?

    Wir haben zwei bewährte Modelle skizziert. Modell 1 zeigt den am weitesten verbreiteten und am einfachsten herzustellenden Kasten. Modell 2 hat deutliche Vorteile: Die Altvögel gelangen dank dem Vorraum nicht direkt zu den Jungen. Damit werden diese bei Schlechtwetter weniger durch die hereingebrachte Nässe unterkühlt. Die Jungen können leichter hinausgelangen. Zudem schützt der Vorbau die Brut besser vor Katzen und Mardern.

    Wo kann man Nistkästen kaufen?

    Nistkästen kann man bei der Schweizerischen Vogelwarte, bei Vogelschutzvereinen und da und dort in Behindertenwerkstätten, in landwirtschaftlichen Genossenschaften und Gartenbauzentren kaufen. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Kästen die hier aufgeführten Kriterien (Mindestmasse, Fluglochgrösse, Holzqualität etc.) erfüllen.

    Unerwünschte Gäste?

    Nistkästen sind für viele verschiedene Tierarten attraktiv. Wenn die Fluglöcher 30 mm oder grösser sind, nisten auch gerne Feld- und Haussperlinge oder Stare darin. Es können sich Hornissen, Wespen oder Hummeln ansiedeln. Besonders in Wäldern ziehen auch gerne Siebenschläfer oder Haselmäuse ein. Wir meinen, dass auch diese Tiere ein Existenzrecht haben. Deshalb empfehlen wir, sie zu dulden.

    Nisthilfen für andere Arten?

    Modell 1 kann auch für grössere Arten wie Star, Hohltaube oder Waldkauz gebaut werden. Allenfalls muss man für grössere Kästen etwas dickeres Holz verwenden und die Masse entsprechend anpasssen. Für speziellere Nisthilfen (Turmfalke, Segler, Schleiereule, Wasseramsel etc.) wenden Sie sich bitte an die Schweizerische Vogelwarte oder an den Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz.

    VogelartAufhänge-HöheVorkommenNestbaubeginn
    Kohlmeise 1,8–2,5 m lokal bis 2000 m ab Ende März
    Blaumeise 1,8–2,5 m lokal bis 1200 m ab Ende März
    Sumpfmeise 1,8–2,5 m unter 1000 m ab Ende März
    Tannenmeise 1,8–2,5 m bis zur Waldgrenze ab Ende März
    Haubenmeise 1,8–2,5 m bis zur Waldgrenze ab Mitte März
    Trauerschnäpper 1,8–2,5 m unter 1000 m ab ca. 25. April
    Gartenrotschwanz 1,8–2,5 m lokal bis 2000 m ab ca. 25. April
    Kleiber 1,8–2,5 m bis zur Waldgrenze ab März
    Wendehals 1,8–2,5 m lokal bis 1800 m ab Mitte April

    Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

    © Schweizerische Vogelwarte & SVS/BirdLife Schweiz, Sempach & Zürich, 2000
    Autor: H. Schmid
    Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.

    Merkblatt

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