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    Vogeljagd in der Schweiz

    Standpunkt der Schweizerischen Vogelwarte Sempach

    Die Jagd auf Vögel entspricht zwar regional einer stark verwurzelten Tradition, ist aber aktuell als Sport- und Freizeitaktivität einzustufen.

    Aus ökologischer Sicht kann eine den jeweiligen Verhältnissen angepasste Jagd bei Arten mit stabilen oder zunehmenden Beständen verantwortet werden, (a) wenn die Gefährdungssituation auf europäischer und nationaler Ebene berücksichtigt wird, (b) wenn sie keine messbaren negativen Auswirkungen auf die Verbreitung, die Bestände und die Sozialstruktur der betroffenen Arten hat, (c) nicht zu anderen negativen Auswirkungen auf Lebensgemeinschaften führt und (d) wenn die Jagdverantwortlichen und Jagdausübenden vermehrt auf allen Ebenen mithelfen, die alarmierende Lebensraumsituation unserer Fauna wirkungsvoll zu verbessern.

    Seit dem Beginn der Reglementierung der Jagd auf Bundesebene 1876 hat sich der Schutzstatus der Vögel verbessert. Insbesondere wurde die Liste der jagdbaren Arten sukzessive eingeschränkt. Trotzdem blieben auch bei der am 15. Juli 2012 in Kraft gesetzten Revision der Jagdverordnung1 einige gut begründete Anliegen für die Verbesserung des Schutzes der Vögel unberücksichtigt.

    Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt die Umsetzung der folgenden Anliegen auf kantonaler Ebene. Eine Übernahme auf Bundesebene ist in der nächsten Revision anzustreben.

    • Verzicht auf die Bejagung von Wasservögeln in allen Wasservogelgebieten von internationaler und nationaler Bedeutung gemäss Inventar der Vogelwarte zur Minimierung von Störungen,
    • Ausdehnung der Schonzeit für Enten auf die Periode 1.1.–15.9.,
    • Verzicht auf die Bejagung des Haubentauchers,
    • Reduktion des Jagddruckes auf den Birkhahn,
    • Starke Einschränkung der Bejagung des Alpenschneehuhns (Einschränkung der Anzahl Jagdtage sowie der Jahres- und Tagesstrecke pro Jäger),
    • Ausdehnung der Schonzeit für die Waldschnepfe mindestens auf die Periode 1.12.–31.10.,
    • Verzicht auf Selbsthilfemassnahmen gegen die geschützten Arten Star und Amsel,
    • Abschüsse geschützter Arten nur bei Nachweis, dass die Schäden erheblich und die Abschüsse zu deren Verminderung eine geeignete Massnahme sind,
    • Genereller Verzicht auf bleihaltige Munition.
    Vogeljagd in der Schweiz

    Standpunkt der Schweizerischen Vogelwarte Sempach