Katzen und Vögel
Regelmässig streiten sich Katzenliebhaber und Leute, die davon ausgehen, dass Hauskatzen in unserer Natur Schaden anrichten würden.
Die folgenden
Überlegungen sollen helfen, die Diskussion zu versachlichen:
Katzen
sind bei uns seit 1100 n. Chr. beliebte Haustiere. Heute leben in der
Schweiz rund 1,2 Millionen Hauskatzen. Die Hauskatze gehört nicht zur
einheimischen Fauna. Sie ist zwar ein beliebtes Heimtier, trägt aber
noch wesentliche Merkmale ihrer wildlebenden Stammform, der ägyptischen
Falbkatze, in sich:
- Sie durchstreift beim Jagen grössere Gebiete.
- Obwohl Katzen hauptsächlich spezielles Tierfutter oder
Hauskost fressen, erbeuten sie im Freien Kleinsäuger, Vögel, Reptilien
und andere Kleintiere.
- Nicht alle Beutetiere werden auch gefressen. Das Jagen dient
nicht nur dem Nahrungserwerb, sondern auch dem Üben der Jagd.
- Katzen erbeuten in erster Linie Jungtiere, da sich diese
besonders gut erwischen lassen.
Können Katzen
Vogelbestände gefährden?
In den Niederungen der Schweiz
leben durchschnittlich 50 bis 60 Katzen pro Quadratkilometer. Damit sind
Katzen um ein Vielfaches häufiger als alle anderen Beutegreifer
zusammen. Katzen vermeiden wie alle Beutegreifer einen hohen
Jagdaufwand, d.h. sie jagen vor allem Tierarten, die häufig sind und
relativ gut gefangen werden können. Sie erbeuten daher vor allem Mäuse.
Unter den Vögeln trifft es vorwiegend häufige Arten wie Amsel, Rotkehlchen, Meisen, Finken und Sperlinge. Nur selten werden gefährdete Vogelarten
erbeutet. Stark betroffen können dagegen Frösche, Molche, Eidechsen und
Blindschleichen sein, da diese bei kühlem Wetter leicht zu fangen sind.
Katzen können auch die Bestände von Spitzmäusen recht stark dezimieren. Die
Lebensraumqualität hat auf Tierpopulationen einen stärkeren Einfluss
als Katzen und andere Beutegreifer.
Wenn genügend Nahrung, Verstecke und Nistmöglichkeiten vorhanden
sind und auch die übrigen Umweltbedingungen, z.B. das Klima, stimmen, so
können sich die Tiere erfolgreich fortpflanzen und Verluste durch
Beutegreifer verkraften. Wenn ein Bestand aber durch verschiedene
Faktoren bereits geschwächt ist, können Katzen zum Erlöschen der
Population eines ganzen Gebietes beitragen.
Was tun?
Mit
geeigneten Massnahmen können die Verluste an Wildtieren und Vögeln
durch Katzen vermindert werden:
- Schaffen Sie sich nur dann eine Katze an, wenn Sie über die nötige
Zeit und genügend Platz verfügen.
- Erschweren Sie den Katzen den Zugang zu Nistplätzen von Vögeln,
Amphibien- und Reptilienstandorten: Eine Manschette aus Blech oder
Plastik um den Stamm einzeln stehender Bäume verhindert, dass die Katze
zu den Vogelnestern vordringen kann. Ein 20cm über den Boden gespannter
Viehhüterdraht kann Katzen von empfindlichen Bereichen (z.B.
Trockenmauer mit Eidechsenpopulation) fernhalten. Im Handel sind
ausserdem Streupulver erhältlich, die Katzen abweisen sollten.
- Bringen Sie Nisthilfen
so an, dass Katzen keinen Zugang haben: Nistkasten mit Draht an
Seitenäste oder an Fassaden aufhängen, so dass sie mehr als 1,5 m hoch
hängen. Verwenden Sie Nistkästen mit steilen und glatten Dächern, auf
denen eine Katze keinen Halt findet.
- Sorgen Sie für optimale Lebensräume für Wildtiere, z.B. durch
eine naturnahe
Gartengestaltung.
- Suchen Sie das Gespräch mit Katzenhaltern. Informieren Sie
diese über Gebiete mit gefährdeten Vogelarten und über Amphibien- und
Reptilienstandorte.
- Falls Sie in Ihrem Garten ein Vogelbad oder ein Futterhäuschen
für die Winterfütterung
bereithalten, so plazieren Sie diese katzensicher, d.h. an einer
übersichtlichen Stelle, so dass sich die Katzen nicht anschleichen
können. Futterhäuschen sollten an einem Ast frei hängen oder auf einem
Pfosten montiert werden. Vermeiden Sie aber Abwehrmittel wie
Stacheldraht oder ähnliches, an denen sich Katzen und andere Tiere
verletzen könnten.
Katzenhalter sollen zusätzlich folgende
Punkte beachten:
- Das Aussetzen von Katzen ist verboten.
- Lassen Sie Ihre Katzen kastrieren. Vor allem die Männchen
streunen dann weniger herum.
- Lassen Sie Ihre Katze während Ihren Ferien von Nachbarn oder
Bekannten betreuen oder geben Sie sie in ein Tierheim zur Pflege.
- Hängen Sie Ihrer Katze ein Halsband mit einem Glöckchen um.
Nach kurzer Zeit wird sie sich daran gewöhnen. Vögel werden schneller
auf die Gefahr aufmerksam.
- Falls Sie frisch ausgeflogene
Jungvögel oder stark warnende Altvögel beobachten, lassen Sie Ihre
Katze nach Möglichkeit für ein paar Tage nicht nach draussen.
Weiterführende
Literatur
Schweizer Vogelschutz SVS (1994): Vögel schützen
in Dorf und Stadt.
Fr. 4.-
Weiteres Merkblatt
zum Thema
Marchal, C. (1995): Vogelfreundlicher Garten.
Dank
Wir
danken Dr. Dennis C. Turner,
Institut für angewandte Ethologie und
Tierpsychologie, Univ. Zürich, für die kritische Durchsicht dieses
Merkblattes.
Impressum: Merkblätter für die
Vogelschutzpraxis
© Schweizerische
Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz,
Sempach und Zürich.
Autor: M. Rudin
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